Fehlkäufe vermeiden: 7 einfache Tipps für bewussteres Shoppen ab 45
Kennst du dieses Kleidungsstück, das dich im Geschäft sofort anlacht?
Die Farbe ist wunderschön, der Schnitt besonders, vielleicht fühlt sich sogar der Stoff ganz wunderbar an. Du probierst es an und möchtest eigentlich unbedingt, dass es dir steht.
Genau so ging es mir in meinem letzten Sommerurlaub.
Ich war gut gelaunt, entspannt und hatte einen ziemlich schönen sommerlichen Glow im Gesicht. Wie das im Urlaub eben manchmal so ist, hatte ich außerdem Zeit, durch die eine oder andere kleine Boutique zu schlendern. Ich bin übrigens eher eine Gute-Laune-Shopperin. Andere kaufen aus Frust, Langeweile, zur Belohnung, weil gerade Sale ist oder weil ein neuer Trend überall zu sehen ist. Bei mir kann gute Laune durchaus die Shoppinglust wecken.
Dann hing da diese Jacke.
Die Winterjacke, die perfekt war. Nur nicht für mich.
Seit einigen Jahren wünsche ich mir für den Winter einen Mantel oder eine Jacke in einer helleren Farbe. Dunkelblau gehört zu meinen Basisfarben und ich liebe es nach wie vor, aber manchmal ist mir im Winter einfach nicht nach Dunkelblau.
In dieser kleinen Boutique entdeckte ich plötzlich eine Jacke in einem hellen Farbton zwischen Flieder und Rosé. Mein erster Gedanke war: Wie schön ist die denn bitte? Also probierte ich sie an. Der Schnitt gefiel mir, die Jacke fühlte sich gut an und trotzdem wusste ich ziemlich schnell:
Diese Jacke ist perfekt. Nur nicht für mich.
Der Farbton war für mich zu warm und gleichzeitig zu pastellig. Zusammen mit meinen grauen Haaren fehlte mir etwas, obwohl ich sogar gebräunt war und deutlich mehr Farbe im Gesicht hatte, als ich sie mitten im Winter haben werde. In diesem Moment wurde mir wieder bewusst, wie schnell ein Kleidungsstück zu einem Fehlkauf werden kann, obwohl wir es wunderschön finden.
Denn es gibt einen Unterschied zwischen:
„Das ist ein wunderschönes Kleidungsstück.“
und
„Das ist ein wunderschönes Kleidungsstück an MIR.“
Diesen Unterschied zu erkennen, kann dir einige Fehlkäufe ersparen. Deshalb möchte ich dir sieben einfache Tipps mitgeben, die ich selbst beim Einkaufen nutze und die ich auch meinen Kundinnen immer wieder ans Herz lege.
1. Schau nicht nur das Kleidungsstück an. Schau dich an.
Beim Shopping passiert es schnell, dass wir uns in eine Farbe, ein Muster, einen besonderen Schnitt oder einen wunderschönen Stoff verlieben. Vielleicht haben wir genau so ein Kleidungsstück an einer anderen Frau gesehen und plötzlich wollen wir, dass es auch bei uns funktioniert.
Doch ein Kleidungsstück kann wunderschön sein und trotzdem nicht zu dir passen.
Schau beim Anprobieren deshalb auf das Gesamtbild. Wie wirkt dein Gesicht? Wie ist deine Körperhaltung? Siehst du zuerst dich oder zuerst das Kleidungsstück?
Vor allem aber: Fühlst du dich darin wirklich wie du selbst?
2. Achte besonders auf die Farbe an deinem Gesicht
Gerade bei Jacken, Mänteln, Blusen, Pullovern und Kleidern spielt die Farbe eine große Rolle, weil sie nah an deinem Gesicht liegt.
Eine Farbe kann dich frischer wirken lassen, deine Augen werden sichtbarer, dein Teint wirkt klarer und selbst deine Haare können plötzlich ganz anders zur Geltung kommen. Eine andere Farbe kann genau das Gegenteil bewirken.
Bei meiner Urlaubsjacke war das ziemlich deutlich. Ich mochte die Farbe unglaublich gerne, aber die Farbe mochte mich nicht ganz so gerne.
Seit ich meine grauen Haare trage, schaue ich noch bewusster darauf, was Farben zusammen mit meiner „silbernen Krone“ machen.
Mein Tipp: Geh beim Anprobieren möglichst ans Tageslicht und schau zuerst auf dein Gesicht, nicht auf das Kleidungsstück.
Was macht die Farbe mit DIR?
3. Denk an einen ganz normalen Dienstag im November
Im Urlaub war ich gebräunt, entspannt und hatte gute Laune. Das ist wunderbar, aber vermutlich nicht die beste Grundlage, um eine Winterjacke zu beurteilen.
Deshalb habe ich mir vorgestellt, wie ich darin einige Monate später an einem grauen Novembermorgen aussehe, ohne Sommerbräune und Urlaubsglow.
Plötzlich war die Entscheidung noch klarer.
Gerade wenn du im Urlaub Kleidung für eine andere Jahreszeit kaufst, hilft dieser kleine Perspektivwechsel enorm. Frag dich, ob dir die Farbe auch gefallen und vor allem stehen würde, wenn deine Haut wieder deutlich heller ist.
4. Mach ein Ganzkörperfoto
Jetzt kommt einer meiner liebsten Shoppingtipps.
Ich ging tatsächlich ein zweites Mal in diese Boutique, weil ich der Jacke noch eine klitzekleine Chance geben wollte, und fragte die Verkäuferin, ob ich ein Ganzkörperfoto von mir bei Tageslicht machen dürfte.
Sie war ein wenig erstaunt und reichte mir stattdessen einen Handspiegel. Der half mir allerdings nicht wirklich, denn darin sah ich mein Gesicht und einen Teil der Jacke.
Was ich sehen wollte, war etwas anderes:
Mich in dieser Jacke. Das komplette Bild.
Genau deshalb empfehle ich dir, bei Unsicherheit ein Ganzkörperfoto zu machen oder machen zu lassen. Ein Foto schafft Abstand und du kannst viel besser erkennen, ob die Proportionen stimmen, die Länge für dich funktioniert, die Farbe etwas für dich tut und das gesamte Outfit harmonisch aussieht.
Diesen Tipp gebe ich übrigens auch in meinem Buch „BE YOU AND BLOOM“ weiter und bekomme dazu immer wieder Rückmeldungen von Leserinnen, wie hilfreich gerade dieser kleine Perspektivwechsel für sie ist.
Du siehst auf dem Foto nicht nur das Kleidungsstück. Du siehst dich.
5. Überlege dir schon im Geschäft mindestens drei Kombinationen
Vielleicht kennst du diese wunderschönen Einzelteile, die irgendwann im Kleiderschrank hängen und auf den passenden Rock, die richtige Hose oder den perfekten Schuh warten.
Genau solche Kleidungsstücke können einen vollen Kleiderschrank verursachen, in dem wir trotzdem das Gefühl haben, nichts anzuziehen zu haben.
Deshalb frage ich mich beim Einkaufen:
Mit welchen Kleidungsstücken aus meinem Kleiderschrank kann ich dieses Teil kombinieren?
Idealerweise fallen dir direkt mehrere Möglichkeiten ein. Eine neue Bluse könnte zum Beispiel zu deiner dunkelblauen Hose, deiner Jeans und deinem Lieblingsrock passen, vielleicht funktioniert sie zusätzlich unter deinem Blazer.
So wird aus einem schönen Einzelteil ein Teil deiner bestehenden Garderobe. Für mich ist genau das ein wichtiger Baustein einer persönlichen Yes, that's me! Wardrobe.
6. Kauf für dein heutiges Leben und nicht für dein Vielleicht-Leben
Gerade ab der Lebensmitte kann sich unser Alltag ziemlich verändern. Vielleicht arbeitest du heute weniger im Büro als früher, brauchst keine fünf Businessblazer mehr, reist häufiger, arbeitest von zu Hause oder hast einfach andere Anlässe als noch vor zehn Jahren.
Trotzdem kaufen wir manchmal für eine Frau ein, die wir einmal waren oder vielleicht irgendwann sein möchten.
Frag dich deshalb vor einem Kauf:
Wo werde ich dieses Kleidungsstück wirklich tragen?
Nicht theoretisch, sondern ganz konkret. Beim Arbeiten, beim Abendessen mit Freundinnen, im Urlaub, bei Kundenterminen oder einfach in deinem ganz normalen Alltag?
Wenn dir kein echter Anlass einfällt, darf ein wunderschönes Kleidungsstück vielleicht einfach wunderschön im Geschäft bleiben.
7. Stell dir zum Schluss meine Lieblingsfrage: „Yes, that's me?“
Du musst beim Einkaufen keine komplizierte Checkliste im Kopf haben, denn am Ende darf es auch leicht sein.
Deshalb gibt es eine Frage, die für mich vieles zusammenfasst:
Schaue ich mich im Spiegel an und denke: Yes, that's me?
Nicht: „Eigentlich ganz schön.“
Nicht: „Wenn ich noch zwei Kilo abnehme.“
Auch nicht: „Vielleicht brauche ich nur die richtigen Schuhe dazu.“
Sondern dieses ehrliche Gefühl:
Ja. Das bin ich.
Genau solche Kleidungsstücke möchte ich in meinem Kleiderschrank haben und genau solche Kleidungsstücke wünsche ich mir auch für dich.
Bewusster einkaufen bedeutet nicht, nichts mehr zu kaufen
Ich habe die helle Winterjacke im Urlaub übrigens nicht gekauft und bin mit dieser Entscheidung immer noch sehr happy. Vielleicht finde ich in diesem Winter eine andere, vielleicht auch erst im nächsten.
Denn bewusster zu shoppen bedeutet für mich nicht, dass wir uns nichts Schönes mehr gönnen dürfen oder mit strengem Blick durch die Geschäfte laufen sollen.
Ganz im Gegenteil. Shopping darf Freude machen, Mode darf Freude machen und vor allem darf Kleidung Freude machen.
Ich möchte nur, dass diese Freude möglichst nicht an der Ladentür endet, sondern dass du ein Kleidungsstück auch Monate später aus deinem Kleiderschrank holst, es anziehst, in den Spiegel schaust und dir immer noch dieses ehrliche Lächeln schenkst.
Wie nah bist du deiner persönlichen „Yes, that's me! Wardrobe“?
Vielleicht hast du beim Lesen gemerkt, dass es bei dir gar nicht nur um einzelne Fehlkäufe geht. Dein Kleiderschrank ist vielleicht gut gefüllt und trotzdem fehlt dir morgens die Klarheit, du besitzt viele schöne Einzelteile, aber zu wenige lassen sich miteinander kombinieren oder deine Garderobe passt einfach nicht mehr so richtig zu der Frau und dem Leben von heute.
Genau dafür habe ich mein kostenloses „Yes, that's me! Wardrobe“-Quiz entwickelt.
In etwa 10 Minuten findest du heraus, auf welcher Etappe deiner Stilreise du gerade stehst und bekommst erste persönliche Impulse für mehr Klarheit, Leichtigkeit und Lieblingsoutfits.
Wenn du spürst, dass dein Kleiderschrank einmal einen richtigen Neustart gebrauchen könnte, begleite ich dich in meinem BE YOU AND BLOOM Kleiderschrank Reset Schritt für Schritt dabei.
Es geht nicht darum, deinen halben Kleiderschrank wegzuwerfen, sondern wieder zu erkennen, was wirklich zu dir, deinem Körper, deinen Farben und deinem heutigen Leben passt. Du darfst Ballast loslassen, vorhandene Schätze wiederentdecken und nach und nach eine Garderobe entstehen lassen, bei der du immer häufiger denkst:
Yes, that's me!
Vielleicht erinnerst du dich bei deinem nächsten Shoppingtrip an meine fliederfarbene Winterjacke.
Manchmal ist ein Kleidungsstück wunderschön. Die beste Kaufentscheidung kann trotzdem sein, es mit einem Lächeln wieder zurück auf den Bügel zu hängen.

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